Aktuelles

  • 7. April, 2019 Teilhabe bei Krankenhausaufenthalten: Lebenshilfe NRW kritisiert Auffassung der Landschaftsverbände

    „Freizeit Hand in Hand“ – Setze ein Zeichen!

    Lebenshilfe NRW kritisiert den Versuch der Landschaftsverbände sich der Teilhabeleistungen beim stationären Krankenhausaufenthalt von Menschen mit Behinderung zu entledigen. Es brauch nicht weniger Eingliederungshilfe sondern mehr. Dr. Ursula Ohndorf (Lebenshilfe Köln) schlägt Koordinationsstellen vor, um die Situation insgesamt zu verbessern.

    Leverkusen. Am Mittwoch trafen sich in Leverkusen die Behinderten- und Patientenbeauftragte des Landes NRW, Claudia Middendorf, mit Vertretern der Lebenshilfe, um über die Versorgung von Menschen mit Behinderung im Krankenhaus zu sprechen. Die Vertreter der Lebenshilfe, die sich aus Angehörigen von geistig beeinträchtigten Menschen, Ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern zusammensetzten, äußerten gegenüber der Beauftragten ihren Unmut darüber, dass die beiden Landschaftsverbände in den laufenden Landesrahmenvertragsverhandlungen sich der Zuständigkeit der Assistenz entledigen wollen. Die Lebenshilfe machte allerdings auch konstruktive Vorschläge, die zu Verbesserungen beim Krankenhausaufenthalt von Menschen mit geistiger Behinderung führen können.

    „Der Assistenz-Begriff führt beim stationären Krankenhausaufenthalt häufig zu Unklarheiten, da er überwiegend aus der Sicht der Pflege betrachtet wird. Uns geht es vor allem um die Assistenzleistungen der Eingliederungshilfe, hier muss für alle beteiligten noch viel mehr Klarheit bei der Begrifflichkeit geschaffen werden“, betonte Doris Langenkamp, Landesvorstandsmitglied der Lebenshilfe NRW. „Wir haben oft die Erfahrung gemacht, dass die von uns unterstützten Menschen durch fehlende Teilhabeleistungen während des Krankenhausaufenthaltes in einer schlechteren Verfassung zurück nach Hause kommen, als sie hinein gekommen sind. Die Fachleistungsstunden dürfen bei einem stationären Krankenhausaufenthalt nicht automatisch geringer werden, vielmehr müssten sie sich erhöhen aufgrund der besonderen Situation“, sagte Langenkamp.

    Menschen mit einer geistigen Einschränkung benötigen oft ihnen vertraute Begleitungen. Häufig übernehmen Angehörige diese Aufgabe. Doch der Personenkreis, den die Lebenshilfe vertritt, wird glücklicherweise immer älter, daher können Angehörige die Begleitung oder Assistenz oft nicht mehr übernehmen, weil ihnen dies beruflich nicht möglich ist oder sie selber in einem hohen Alter sind. Wenn Bewohner aus stationären Wohnangeboten kommen, kann diese Begleitung nicht einfach von den hauptamtlichen Mitarbeitern übernommen werden, weil diese dann in den Einrichtungen für andere Menschen fehlen, die Unterstützung benötigen. Nach Auffassung der Lebenshilfe muss die Eingliederungshilfe dort erfolgen, wo der Mensch ist, also notfalls im Krankenhaus, so schreibt es auch das Bundesteilhabegesetz vor. 

    Middendorf zeigte hierfür großes Verständnis und lobte das hohe ehrenamtliche Engagement der Lebenshilfen. „Ich werde dies in den nächsten Gesprächen mit den Vertretern der Landschaftsverbände ansprechen“, erklärte sie und lies erkennen, dass sie mit der Haltung der Landschaftsverbände nicht einverstanden ist. Aufmerksam verfolgte Middendorf die Schilderungen von nicht funktionierendem Patientenmanagement. Hier sagte sie zu, dies beim nächsten Treffen mit den Vertretern der Krankenhausgesellschaften kritisch anzusprechen.

    Die Beauftragte erläuterte den Anwesenden auch die Pläne zu einer umfassenden Krankenhausreform, die NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann plant. Dabei soll die Beteiligung der Selbsthilfe in den Vorbereitungen der Gesetzesvorlage eine wichtige Rolle spielen, so der Wunsch vom Minister und der Patientenbeauftragten. Die Mutter einer beeinträchtigten Tochter, Ärztin und Vorstandsmitglied der Lebenshilfe Köln, Dr. Ursula Ohndorf brachte die Idee eine Koordinationsstelle in jedem Krankenhaus zu installieren ins Spiel. „In Berlin gibt es dazu ein sehr gutes Pilotprojekt am Königin Elisabeth Krankenhaus. Von einer solchen Koordinationsstelle können viele Patientengruppen profitieren, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, demente aber auch schlicht ältere Menschen“, sagte Ohndorf. Middendorf hörte bei ihren Ausführungen aufmerksam zu.

    Lebenshilfe NRW trifft Claudia Middendorf

    Foto: Quelle „Philipp Peters / Lebenshilfe NRW“. Frau Middendorf (gelbe Jacke), links neben ihr sitzt Doris Langenkamp, Mitglied des Landesvorstandes der Lebenshilfe NRW. Rechts sitzt der Geschäftsführer der Lebenshilfe Leverkusen, Jürgen Ostermann. Die Runde war zu Gast in den Räumen der Lebenshilfe Leverkusen.

     

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  • 31. März, 2019 Aktuelles zur Kita „Hürther Ströpp“ im Modellprokjekt: bestimmt bunt

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    Neues zum Projekt finden Sie im Video auf YouTube.

    Die inklusive Kindertagesstätte „Hürther Ströpp“ ist mit aktiv im Modellprojekt „bestimmt bunt – Vielfalt und Mitbestimmung in der Kita“ . Das Deutsche Kinderhilfswerk setzt einen besonderen Schwerpunkt auf frühkindliche Bildung. Das Projekt verfolgt das Ziel, die Kinder in der Kita von Anfang an gegen Vorurteile zu sensibilisieren und demokratische Kompetenzen zu fördern. Mehr dazu auf der Projektwebsite: www.kinderrecht.de/kita. Unsere Projekt-Kita „Bussi Bär“. Das Team von Sascha Anhold der Kita „Hürther Ströpp“ freut sich ebenso wie der Vorstand der Lebenshilfe bei diesem Modellprojekt aktiv mit gestalten und dabei sein zu können.  Das Video zur Vorstellung finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=a8vOANiw_Uw

  • 25. März, 2019 Inklusion muss endlich im deutschen Gesundheitssystem ankommen

    „Freizeit Hand in Hand“ – Setze ein Zeichen!

    Zehn Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik ist die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung noch immer mangelhaft.

    Hürth. Die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderung bedarf erheblicher Verbesserungen. Dass die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern sich dem Thema nun angenommen haben ist lobenswert, jedoch lange überfällig. In der seit zehn Jahren für Deutschland bindenden UN-Behindertenrechtskonvention heiß es: „Jeder Mensch mit Behinderung muss die Medizin und Hilfe für die Gesundheit bekommen, die er braucht. […] Es muss besondere Hilfen und Medizin für Menschen mit Behinderung geben. […] Alle Ärzte, Pfleger und Therapeuten sollen Menschen mit Behinderung gut helfen.“[1] In der Realität bestehen hier allerdings erhebliche Problem.

    „Gerade für Menschen mit einer geistigen Behinderung existieren noch immer erhebliche Barrieren, wenn es zum Besuch beim Arzt oder in einem Krankenhaus kommt. Zwar gibt es viele engagierte Ärzte, die allerdings im starren Abrechnungssystem oft nicht die Hilfe leisten können, die Menschen mit einer geistigen Behinderung benötigen und zusteht. Doch dafür zahlen die Menschen mit Behinderung genauso ihre Krankenkassenbeiträge wie nichtbehinderte Patienten, hier muss im Abrechnungssystem die Inklusion auch endlich Einzug halten“, sagt Prof. Dr. Gerd Ascheid, Landesvorsitzender der Lebenshilfe NRW. Patientengespräche mit diesen Menschen benötigen mehr Zeit und oft anderer Formen der Kommunikation, dies muss sich in einem inklusiven Gesundheitssystem auch für die Ärzte wiederspiegeln. Lobenswert ist, dass Ärztekammern inzwischen Weiterbildungen in Leichter Sprache anbieten, sie müssen aber auch genutzt werden.

    Ein weiteres Problem im Gesundheitssystem ist die Assistenz von Menschen mit geistiger Behinderung, gerade bei stationären aber auch ambulanten Krankenhausaufenthalten. „Diese erwachsenen Menschen mit Behinderung sind meist auf Assistenz angewiesen. Häufig müssen Eltern neben dem Beruf, oder ehrenamtliche engagierte Menschen, diese Begleitung übernehmen. Einem finanziell so gut ausgestatteten Gesundheitssystem wie dem Deutschen ist das unwürdig“, sagt Ascheid.

    Es wird teilweise von Krankenhäusern sogar erwartet, dass Mitarbeiter aus den Wohnangeboten der Eingliederungshilfe die Assistenz bei den Krankenhausaufenthalten von Menschen mit Behinderung übernehmen. Dass diese Mitarbeiter dann in den Wohnangeboten fehlen wird jedoch nicht gesehen. Hier muss es endlich zu besseren Lösungen für Kliniken und Patienten mit Beeinträchtigung kommen. Das setzt auch bessere Schulungen von Klinikpersonal voraus, die beispielsweise den großen Unterscheid zwischen Pflegeeinrichtung und Eingliederungshilfeeinrichtung nicht kennen. „Da werden Menschen mit Behinderung entlassen, in eine Taxi gesetzt und zur Wohneinrichtung gefahren, weil Klinikpersonal dem Irrglauben aufsitzt die weiter pflegerische Versorgung werde in der Wohneinrichtung schon durchgeführt. Dem ist aber nicht so, in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe herrschen ganz andere Voraussetzungen, als in einer Pflegeeinrichtung“, sagt Ascheid. 

    Das sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und die Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen, Claudia Middendorf, diesem Thema nun annehmen ist ein wichtiges Signal. Bereits Anfang April 2019 werden sich Vertreter der Lebenshilfe NRW mit Middendorf in Leverkusen zusammensetzten und über die Erfahrungen diskutieren. „Wir sind froh darüber, dass wir Frau Middendorf für dieses wichtige Thema gewinnen konnten und wollen ihr im weiteren Verlauf gerne ein Ansprechpartner sein“, sagt Ascheid.

     

    Pressekontakt: Philipp Peters

    Telefon: 02233 93245-636

    Mobil: 0177 2427308

    E-Mail: peters.philipp@lebenshilfe-nrw.de

    Bildquelle: „Lebenshilfe/David Maurer“

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